Audiometrie nennt man verschiedene Verfahren, das
Hörvermögen vor und nach einer Hörgeräteanpassung - bzw. einem Hörverlust
- zu messen. Übersichten auch bei www.krillke.de/html/untersuchungen.html und
www2.hoerzentrum-hannover.de
Zu
erwähnen ist als orientierendes Verfahren die → Hörweitenprüfung. Für genauere Prüfungen braucht man
geeichte Audiometer. Am häufigsten wird damit die
Tonschwellenaudiometrie durchgeführt. Sie
wird auch "Reinton-Audiometrie" genannt, weil sie zur Bestimmung der
Hörschwellen für reine Töne dient. Sie wird in der Regel über Luftleitung mit
Kopfhörern, aber auch im Freifeld (s.u.) oder mit Knochenleitung (s.u.)
vorgenommen. Dabei werden Töne in Oktav- oder Halboktavabständen der → Frequenzen zwischen 62 und 10 000 Hz dargeboten in
ansteigender Lautstärke. Der zu Untersuchende muss anzeigen – z.B. durch Knopfdruck
- wann er beginnt, etwas zu hören, also seine Hörschwelle für diesen Ton
überschritten wird. Die so ermittelten Hörschwellen werden in das → Audiogramm
eingetragen und bilden, miteinander verbunden, die "Hörkurve". Eine
Freifeldaudiometrie wird zur Beurteilung von
Sprachverständnis und subjektivem Höreindruck wird im freien Schallfeld (ohne
Kopfhörer) und für beide Ohren gleichzeitig eine Freifeldmessung vorgenommen.
Dabei wird über einen Lautsprecher mit standardisierter Lautstärke( 55 dB, 65
dB, 80 dB) Testmaterial angeboten. Ein eingespieltes Störgeräusch kann dabei
ein lebensnäheres Umfeld simulieren. Dies kann besonders bei Kleinkindern
angebracht sein, auch bei der Hörgeräteanpassung. Bei der
Knochenleitungsaudiometrie werden die Töne
über einen Knochenhörer übertragen. Durch den Vergleich des
Knochenleitungs-Audiogramms mit dem Audiogramm über Luftleitung mit Kopfhörern
(s.o.) bekommt der Arzt u.a. auch Hinweise auf ein Vorhandensein und das Ausmaß
einer → Schallleitungs-Schwerhörigkeit.
Bei einer
Sprachaudiometrie wird geprüft, welcher Prozentsatz des über eine
standardisierte und normierte Tonkonserve in verschiedener Lautstärke Angebotenen
(Zahlen oder Einsilber oder Sätze) richtig verstanden wird. Das kann für jedes
Ohr getrennt mit Kopfhörern oder über Lautsprecher im freien Schallfeld - mit
und ohne Störgeräusch - erfolgen. Die Sprachaudiometrie erlaubt die Beurteilung
des Hörvermögens, der → Diskrimination,
einer zentralen Integrationsstörung
und der Fähigkeit zum → Mundablesen bzw. dessen Nutzen. Beim
"Zahlentest" werden mehrsilbige Zahlen angeboten. Verglichen wird
jene Lautstärke, bei welcher der Prüfling 50 Prozent versteht, mit der von
Normalhörenden. Eine Prüfung der Sprachverständlichkeit für einsilbige Worte
beschreibt, bei welcher Erhöhung der Lautstärke - im Vergleich zu
Normalhörenden - 100 Prozent verstanden werden. Eine
Spielaudiometrie (auch
"Kinderaudiometrie") wird bei Kleinkindern zwischen dem zweiten und
vierten Lebensjahr durchgeführt. Dabei wird das Kind spielerisch dazu
angehalten, beim Hören eines Tones z.B. einen Baustein zu einem anderen zu
legen. Bei Kindern, die bei den oben beschriebenen Verfahren noch nicht
mitarbeiten können, ist schon im Säuglingsalter eine objektive Hörprüfung mit
den verschiedenen Verfahren der
Elektrischen
Reaktionsaudiometrie (ERA = Evoked Response
Audiometry) möglich.
Unter ERA versteht man unterschiedliche Verfahren,
mit der Nervenzellen-Potentiale, die durch einen Schall-Reiz ausgelöst werden
(=akustisch evozierte Potentiale, →
EAP),
registriert werden. Diese können - in kurzem zeitlichen Abstand nacheinander -
aus dem Innenohr, der Hörbahn, dem Hirnstamm und der Hirnrinde aufgezeichnet
werden. Mit der
1.
Elektrocochleographie wird die Funktion des → Cortischen Organs im Innenohr geprüft.
Das kann z.B. notwendig sein vor einem → CI. Sie ist
technisch aufwändig, weil dazu eine Elektrode durch das anästhesierte
Trommelfell in die → Paukenhöhle und
an das → Promontorium
eingeführt wird. Sie wird daher i. d. R. in spezialisierten Kliniken
durchgeführt. Dies kann auch unter Beruhigungsmittel oder in Narkose erfolgen.
Der Schallreiz ist ein "Click", die Ganglien in der Schnecke
antworten darauf - bei positivem Ausfall der Untersuchung - innerhalb von 4
Tausendstel Sekunden mit evozierten Potentialen. Anschliessend wird oft noch der
→ Promontoriumstest durchgeführt, um
die Funktion des Hörnerven zu prüfen. Die
2.
BERA (Brainstem
Evoked Response Audiometry) kann auch im Schlaf oder in Narkose durchgeführt
werden. Die Untersuchung ist schmerzlos und völlig ungefährlich. Die evozierten
Potentiale werden dabei - ohne unangenehme Eingriffe - nach einem Click
innerhalb einer hundertstel Sekunde von Elektroden an der Kopfhaut abgeleitet.
Mit dieser Untersuchung kann die Funktion des Innenohrs, der Hörnerven und der
Hörganglien des Hirnstamms geprüft werden. Eine frequenzspezifische Prüfung ist
nur in engen Grenzen möglich. Die sogenannte NN-BERA
(Notched-Noise-BERA) ist heute
die Standard-Untersuchungsmethode vor einer Hörgeräteanpassung im Säuglings–
und Kleinkindesalter. Bei der
3. CERA (Cerebral Evoked Response Audiometry) wird die Ankunft und Verarbeitung der Höreindrücke in der Hirnrinde nachgewiesen. Nach Eingabe eines kurzen Tons können die so evozierten Potentiale innerhalb einer halben Sekunde registriert werden. Die CERA setzt jedoch eine Wachheit des Patienten voraus und kann dadurch bei Kleinkindern technisch schwierig sein. Sie ist auch abhängig von der Hirnreifung. Im übrigen entspricht der Untersuchungsvorgang etwa dem der BERA. Ein Vorteil der CERA ist, dass eine bessere frequenzspezifische Prüfung der Hörschwellen erfolgen kann. Weiteres siehe www.dgpp.de/evopot.htm und www.uniklinikum-giessen.de/all/print.php?page=83&site=90
Nicht-audiometrische
Testverfahren siehe unter →
Hörteste und →
Hörscreening-Verfahren.
Als
Überschwellige Audiometrie werden Verfahren bezeichnet, die mit Tönen und
Geräuschen die Beurteilung der Unterschiedsempfindlichkeit für
Lautstärkenänderungen und Frequenzänderungen erlauben sowie die → Adaptation, → Hörermüdung und →
Dynamik des Gehörs.
Eine
umfangreiche Übersicht über Art und Stellenwert
auch seltener angewandter und speziellerer Untersuchungsmethoden in der → Audiophonologie findet sich unter www.biap.org/biapallemand/Rec23-1all.htm